Projekt: Versorgung der Demenzkranken im Landkreis Saarlouis

 


FS5: Projektarchiv
FS5: Kurzbeschreibung
FS5: Laufende Projekte

Versorgung der Demenzkranken im Landkreis Saarlouis

Der Landkreis Saarlouis hat zur Fachberatung in der Altenhilfeplanung das iso-Institut, Saarbrücken, mit einem Projekt zur "Versorgung der Demenzkranken" beauftragt. Um zu einem bedarfsgerechten und längerfristigen Lösungsansatz in der Dementenversorgung zu gelangen, wurde eine regionale Bestandsaufnahme durchgeführt. Diese umfasste im Wesentlichen eine Bedarfsanalyse und eine Ist-Analyse der regionalen Versorgungssituation für Demenzkranke. Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme konnte eine qualitative Weiterentwicklung der Hilfen in die Wege geleitet werden.

Im Rahmen der Bedarfsanalyse wurden aus einschlägigen Studien Anhaltszahlen für den Landkreis Saarlouis abgeleitet. Anhand der Altersstruktur in den einzelnen Gemeinden konnten Schwerpunkte der Dementenpopulation herauskristallisiert werden. Diese Berechnungen gaben erste Hinweise auf die quantitative Problemstellung. Die allgemeine Bedarfsanalyse war auch deshalb von Bedeutung, weil sie die vermutlich hohe "Dunkelziffer" derjenigen Demenzkranken erfasste, die derzeit noch ohne geeignete professionelle Behandlung, Pflege und Betreuung auszukommen versuchten. Vieles spricht für eine hohe Dunkelziffer, denn die mangelnde Krankheitseinsicht gehört zu den typischen Erscheinungsformen der Demenzkrankheit. Oftmals werden dadurch notwendige Hilfen zu spät in Anspruch genommen, Krisensituationen führen zu vermeidbaren Einweisungen in das Psychiatrische Krankenhaus oder in eine stationäre Pflegeeinrichtung.

Die allgemeinen Anhaltszahlen gaben jedoch nur einen groben Überblick. Sie mussten durch eine Bedarfserhebung bei den einzelnen Hilfeinstanzen konkretisiert werden. Dabei standen die Institutionen der Altenhilfe im Vordergrund, übernehmen sie doch perspektivisch gesehen den Schwerpunkt der Dementenversorgung. Es wurden sowohl stationäre Versorgungsformen, wie Heime oder Kurzzeitpflegen als auch ambulante und teilstationäre Einrichtungen in die Betrachtung einbezogen. Auch die medizinische Behandlung von Demenzkranken wurde bezogen auf ihre Schnittstellen zu den Pflegebereichen mit berücksichtigt. Neben der Frage, in welchem Umfang von den vorhandenen Diensten und Einrichtungen demenzkranke Personen betreut wurden, geht es darum, zu erarbeiten, welche strukturellen Bedingungen eine qualitätvolle Versorgung Demenzkranker derzeit noch behindern und wo zwischen den einzelnen Hilfeanbietern durch mangelnde Kooperation Brüche in der Versorgung auftreten.

Die Erhebungen hatten im Frühjahr 2000 begonnen. Die Pflegeeinrichtungen erhielten einen "Dementenfragebogen", der neben der Zahl Demenzkranker vor allem die Strukturstandards und erste Hinweise zu den Prozessstandards zum Inhalt hatten. Dabei ging es bei Heimen, Tages- und Kurzzeitpflegen z.B. um die bauliche Struktur der Einrichtungen, um die praktizierte Versorgungsform (integrativ, teilintegrativ, segregativ) und spezielle Angebote für Demenzkranke. Darüber hinaus war die personelle Ausstattung der Dienste und Einrichtungen ein zentrales Element (Zahl der Mitarbeiter, Berufe, spezielle Weiterbildungen etc.). Für ambulante Dienste waren zudem Fragen der Einsatzplanung von großer Bedeutung (z.B. Besuchsfrequenz, Dauer der Besuche, feste Mitarbeiter für Demenzkranke etc.). Um Hinweise auf Defizite in angrenzenden Bereichen oder Brüche zwischen den Hilfeinstanzen zu erhalten, wurden auch Fragen zu den Kooperationspartnern in der Versorgung Demenzkranker aufgenommen (andere Pflegeeinrichtungen, Ärzte etc.).

Zur Ergänzung der quantitativen Daten wurden Leitfadengespräche in ausgewählten Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Sie hatten zum Ziel, die im Fragebogen angesprochenen Problembereiche zu konkretisieren und "weichere" Faktoren der Betreuungsqualität (z.B. Pflegeleitbild, Pflegekonzept) einzubeziehen. In diesen Gesprächen wurden auch defizitäre Faktoren im Umfeld der Einrichtungen angesprochen, die sich negativ auf die Versorgung Demenzkranker auswirken. Dabei wird sowohl auf Hemmnisse in der Kooperation mit den bestehenden Instanzen als auch auf Wünsche nach neu zu installierenden Elementen im Versorgungssystem eingegangen.

weiter Seite 2