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Armut und Armutsvermeidung im Saarland

Seit Mitte der 80er Jahre ist in der Bundesrepublik wieder von Armut als einer politisch zu problematisierenden Frage die Rede. Zunächst in Fachkreisen, schließlich auch in offiziellen politischen Verlautbarungen. Mit der aktuellen Diskussion um das Schicksal des Sozialstaates gewinnt das Thema an Brisanz. In Frage steht, wie den in die Armutszone Geratenen der Weg zurück zur eigenständigeren Existenzsicherung erleichtert werden könnte, wie ihre brachliegende Arbeitskraft erhalten, wieder marktgängig oder auf andere Weise für die Gesellschaft interessant gemacht werden könnte. In Frage steht, wie die Gesellschaft mit den zu Versorgenden umgeht, die in ihrer Existenzsicherung wohl weiterhin auf den Sozialstaat angewiesen sind. In Frage steht aber auch vor allem wie eine auf die prekären Zonen der Arbeitsgesellschaft zielende Armutsvermeidungspolitik, die möglichst schon im Vorfeld der traditionellen Sozialhilfe ansetzt, an Konturen gewinnen kann.

Das Forschungsprojekt lenkt die sozialpolitische Aufmerksamkeit auf prekäre Lebensverhältnisse und Verarmungsrisiken, die mit einem sich verengenden Arbeits- und Wohnungsmarkt, mit einem brüchiger gewordenen System sozialer Sicherung wahrscheinlicher geworden sind.

Bei der Empirie stand zunächst einmal eine sekundäranalytische Auswertung des auf das Saarland insgesamt bezogenen statistischen Materials im Vordergrund, aus dem Hinweise auf Verarmungserscheinungen und -risiken zu erwarten sind. Die Ergebnisse werden im breiten Rahmen der einschlägigen Fachdiskussion erörtert. Hier geht es um Sozialhilfebedürftigkeit und Einkommen unter der "Armutslinie", um Arbeitslosigkeit als Verarmungsrisiko und Herausforderung einer aktiven Arbeitspolitik, um Engpässe in der Wohnungsversorgung und Wohnungsnotfallhilfe. Es folgt eine eher grundsätzlich angelegte Auseinandersetzung über die zur Zeit kontrovers diskutierten Politikmuster im Umgang mit Armut und Verarmungsrisiken aus der sich wiederum Einsichten und Schlussfolgerungen für die Saarland anstehenden Maßnahmen ergeben. Das dem Projekt zugrunde liegende Problemverständnis, die Wahrnehmung von Armut und Verarmungsrisiken als einer sozialpolitischen Frage, die sich aus den Strukturen der gesellschaftlichen Entwicklung ergibt, sowie der forschungsstrategische Zugang, werden explizit reflektiert. In diesem Zusammenhang erfolgt auch eine Klärung der damit einhergehen- den Definitionsfragen und Theoriekonzepte.

Die Studie versteht sich als eine Bestandsaufnahme, die das aus vielfältigen Quellen erschließbare Wissen um Verarmungsrisiken im Saarland bzw. den sozialpolitischen Umgang mit Ihnen aufbereitet.

Auftraggeber: Arbeitskammer des Saarlandes
Projektstand:abgeschlossen 1996
Veröffentlichungen:
  • Geiger, Manfred (1996): Armut und Armutsvermeidung im Saarland, Saarbrücken: Arbeitskammer des Saarlandes.