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Lebensverhältnisse und Integrationsbemühungen am Rande der Arbeitsgesellschaft

Die Zahl der Menschen, die in einem nicht mehr als hinreichend empfundenen Maße an den zentralen Integrationsmechanismen unserer Gesellschaft - dem Arbeitsmarkt, den arbeitsweltbezogenen Sozialversicherungssystemen und Sozialisationsinstanzen, einer stützenden Familie und anderer in diesem Sinne wirkenden Sozialverbänden - teilhaben, wächst. Die Zunahme von Langzeitarbeitslosen, Wohnungslosen und anderen in die Armutszone Geratenen sind Symptome dieser Entwicklung. Ähnliches gilt für die Schwierigkeiten Drogensüchtige, psychisch Kranke, Gewalttätige, schwer erziehbare Jugendliche und andere Außenseiter der Gesellschaft einzubinden.

Betroffenheiten, Erscheinungsformen, Ursachen und Erklärungskontexte von Entwicklungen dieser Art, die daraus sich ergebende soziale Problematik, gesellschaftliche Reaktion, politische und soziale Praxis stehen im Mittelpunkt dieses Forschungsschwerpunktes.

Die Fragestellungen und Erkenntnisinteressen können unterschiedlich akzentuiert sein, grundsätzlich sind jedoch zwei Untersuchungsperspektiven im Blick. Der erste betrifft die Lebenspraxis und Lebensverhältnisse der Betroffenen, die als Benachteiligte oder so genannte "Problemgruppen" zum Thema werden: Ihre Lebenslage, ihre biographischen Schicksale und sozialen Milieus, in die ihre subjektiven Bewältigungsstrategien, ihre Selbsthilfemöglichkeiten und Unterstützungsnetzwerke verwoben sind. Der zweite Bereich beschäftigt sich mit der Praxis, den Rahmenbedingungen und Wirkungen der gesellschaftlichen Problemregulierung, insbesondere der Sozialpolitik und der sozialen Arbeit, die in diesem Bereich zumeist auch als klienten- und netzwerkbezogene Beziehungsarbeit gefordert ist: Unter welchen Gesichtspunkten, Hilfe- und Kontrollbedürftigkeiten geraten bestimmte Personengruppen oder auch Soziotope ins Blickfeld? Wie werden Betroffenheiten erkannt und zurechtdefiniert? Wie werden aus Betroffenen Zielgruppen und Klienten gemacht? Wie entwickelt sich in der praktischen Interaktion der Hilfeprozess und welche Effekte sind mit den jeweiligen Arrangements und Rahmenbedingungen verbunden?

Indem die Betroffenen als in konkreten sozialen Situationen Handelnde begriffen werden, wird auch "ihre Welt", in der und auf die bezogen sie handeln, verständlicher. Und es mag auch verständlicher werden, warum sich das Hilfesystem mit ihnen manchmal so schwer tut. Im Rekurs auf die Lebenspraxis und Lebenswelt der anvisierten Zielgruppen wird das Hilfe- und Kontrollsystem, das ja seinerseits als vielschichtiges Sozialgebilde zu analysieren wäre, einer kritischen Reflexion zugänglich. Die daraus hervorgehenden Expertisen schärfen den Blick für die blinden Flecken der Tagespolitik. Sie problematisieren die Ablaufmuster und Handlungszwänge im beruflichen Alltag der Helfer. Sie gehen den zugrunde liegenden Strukturentwicklungen nach und machen sie sozialpolitischen und sozialpraktischen Innovationsdiskussionen zugänglich. Reformperspektiven können präzisiert und konkretisiert werden.

Die für diesen Forschungsschwerpunkt charakteristische Grundthematik und die Art des theoretisch-empirischen Zugangs kristallisierte sich über eine Reihe von Projekten heraus, bei denen zunächst einmal einzelne Aspekte der genannten Analysedimensionen vertiefend verfolgt und weiterentwickelt werden konnten. Vgl. beispielsweise das Forschungsprojekt: "Die Verlorenen der Arbeitsgesellschaft und das Projekt der Integration. Beispiel "Wohnungslose im Straßenmilieu". Münster 2004."