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Reduzierung der Arbeitsbelastung in der Altenpflege durch Fehlermanagementsysteme

Arbeit in der Altenpflege im Wandel

Die Altenpflege ist seit den letzten Jahren wiederholt Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Die Berichterstattung aus einer Reihe von Pflegeheimen hat eine intensive Debatte über die Pflegequalität angestoßen. Zudem wird die Finanzierbarkeit einer professionellen Altenpflege zunehmend problematisiert. Allerdings können erst in der jüngeren Zeit die Pflegenden und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, ein wachsendes Interesse beanspruchen. Nicht allein körperliche Beschwerden wie Rückenleiden, sondern insbesondere psychischer Stress, psychosomatische Beschwerden und Burn-out-Syndrome sind ausgeprägte Folgen der Arbeitsbelastungen in pflegenden Berufen: So leben in der Regel die Bewohnerinnen und Bewohner bis zu ihrem Tode im Pflegeheim. Daraus resultieren häufig Belastungs- und Konfliktsituationen im Umgang mit individuellen Lebensgewohnheiten, mit emotionaler Instabilität sowie mit Sterben und Tod.

Neben diesen generellen Anforderungen ist die Arbeit in der Altenpflege in den letzten Jahren durch einen Wandel geprägt: Veränderte Bewohnerstruktur, Arbeitsverdichtung und wachsende Auflagen hinsichtlich der Pflegequalität stellen unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Anforderungen an die Beschäftigten. Dieser Entwicklung steht ein enger Kosten- und Personalrahmen gegenüber.

Ferner gibt es viele Hinweise darauf, dass in der alltäglichen Arbeit der Pflegenden die Probleme an den Schnittstellen immer wieder zu Stress und psychischen Belastungssituationen führen: Das betrifft die Kooperation zwischen den verschiedenen Arbeitsschichten, zwischen Pflegebereich und den internen Funktionsbereichen, zwischen Pflegeeinrichtung und externen Leistungsanbietern und ganz besonders zwischen Pflegenden und den Pflegebedürftigen bzw. ihren Angehörigen - also den „Kunden“.

Reduzierung der Arbeitsbelastung als Gestaltungsprojekt

Das Vorhaben ist ein Gestaltungsprojekt im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Im Laufe des Projekts sollen in zwei Einrichtungen der stationären Altenpflege psychische Belastungsmomente identifiziert und modellhaft Maßnahmen zum Abbau der Belastungen entwickelt, umgesetzt und evaluiert werden. Das Projektvorhaben ist als ein beteiligungsorientiertes Gestaltungsprojekt angelegt, das heißt, in den einzelnen Schritten von der Situationsanalyse bis zur Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsqualität wirken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intensiv mit.

Diese Maßnahmen können je nach den Gegebenheiten in den Einrichtungen sehr verschieden ausgestaltet sein. Sie können Bausteine darstellen im Sinne von Beschwerde- und Fehlermanagementsystemen, die an den oben genannten Schnittstellen angreifen und zugleich eine entlastende Wirkung für die Beschäftigten haben: Reibungsverluste, Fehlerquellen, Beschwerden und Defizite in den Einrichtungen können freier angesprochen und systematisch analysiert werden; es wird Handlungssicherheit im Umgang mit Fehlern und Beschwerden hergestellt und schließlich kann über eine Verbesserung der Prozessqualität in der Einrichtung sowohl die Kunden- als auch die Arbeitszufriedenheit erhöht und in der Konsequenz die Arbeitsbelastung reduziert werden.

Auftraggeber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Projektstand: abgeschlossen 12/2004
Ansprechpartnerin: Kerstin Blass
Veröffentichung:

Blass, Kerstin (2006): Gesund Pflegen in der Altenpflege. Analyse und Maßnahmeentwicklung zur Reduzierung der Arbeitsbelastung in der stationären Altenpflege. Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). 2. Auflage. Dortmund/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, siehe auch: www.inqa-pflege.de