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Sozialorganisation des Betriebes: Beschäftigungspolitik und Arbeitsbeziehungen

In diesem Forschungsschwerpunkt werden Fragestellungen behandelt, die den Betrieb als Politikarena und als sozio-kulturelles Gefüge thematisieren. Dazu zählen die Themenfelder:

a)  Beschäftigungs- und Arbeitspolitik gegenüber bestimmten 
     Arbeitnehmergruppen (Auszubildende, Ältere, Behinderte, Ausländer);

b) die Organisation und die Instrumente der Personal-, Sozial- und Arbeitspolitik;

c)  die institutionalisierten "industriellen Beziehungen" zwischen Management und
     Betriebsräten/Gewerkschaften und

d) die historisch gewachsene Sozialorganisation (Unternehmenskultur) des
     Betriebes.

Die methodologische Gemeinsamkeit bei diesen Themenfeldern ist die Zentrierung auf die Akteure. Die betrieblichen Verhältnisse werden von den Akteuren 'gemacht'. Im Mittelpunkt stehen daher die Deutungsmuster, Strategien und Handlungen der Akteure im Betrieb. Es geht hier stets um Interaktionen und Beziehungen, um Macht und Vertrauen, um Kooperation und Konflikt. Deshalb wird bei diesen Forschungen ein handlungssoziologisch-interaktionistischer Ansatz verfolgt, dessen Charakteristik es ist, dass er die Perspektiven und Standpunkte der verschiedenen Akteursgruppen zu Wort kommen lässt.

Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes haben wir das Konzept der 'betrieblichen Sozialordnung' entwickelt, mit dem wir versuchen dem modischen Begriff 'Unternehmenskultur' eine soziologisch-empirische, handlungstheoretisch und historisch orientierte Fassung zu geben. Wir haben Grundlagenforschungen über die betriebliche Sozialordnung sowohl in Klein- und Mittelbetrieben als auch in Großbetrieben durchgeführt (Themenfeld d). Deren Ergebnisse haben sich als hilfreich erwiesen auch für das Verständnis betrieblicher Zusammenhänge bei den praxisnahen und umsetzungsorientierten Projekten. Der Anspruch des Instituts, Grundlagenforschung auf der einen und Handlungsforschung und Beratung auf der anderen Seite in ein fruchtbares Spannungsverhältnis zu bringen hat sich als realisierbar erwiesen. Das zeigt sich z.B. im Themenfeld a), wo wir seit Jahren in mehreren Projekten u.a. die betriebliche Situation der gesundheitlich beeinträchtigten und älteren Arbeitnehmer untersuchen. Wir fanden heraus, dass die betrieblichen Strategien gegenüber diesen Personengruppen durch keinen Faktor so stark beeinflusst wird wie durch die langfristige Sozialordnung. Aktuell erfährt diese Beschäftigtengruppe durch den demographischen Wandel erneut eine hohe Aufmerksamkeit unter dem Gesichtspunkt der Innovationsfähigkeit der Betriebe angesichts zunehmend älterer Belegschaften.

Im Themenfeld b) wurden in der Vergangenheit Erhebungen durchgeführt über das betriebliche Vorschlagswesen, über die Praxis von Sozialplänen, und über Ziel und Methode der Personalplanung. 

Die Personal- und Arbeitspolitik wird in hohem Maße durch das Handeln der Betriebs-/ Personalräte mitbeeinflußt. Dem hat das ISO-Institut seit seinen Anfängen in zahlreichen Projekten Rechnung getragen (Themenfeld c). Zuletzt wurden in einer Grundlagenstudie die Ursachen und der Verlauf des Wandels der betrieblichen Interessenvertretungsstrukturen untersucht. Zukünftig werden wir den Aspekt der institutionalisierten Interessenvertretung ergänzen durch Forschungen über neue Formen der Interessenregulierung bei nicht-traditionalen Arbeitsverhältnissen wie z.B. Leiharbeit, Scheinselbständigkeit, Tele-Heimarbeit. Eine wichtige Entwicklung im Schwerpunkt I ist die zunehmende Hinwendung zur Managementforschung. Das Management als eigene Akteursgruppe im Restrukturierungs- und Globalisierungsprozess ist zu einem herausgehobenen Gegenstand unserer Forschungen geworden.